Samstag, 30. September 2017

[Rezension] Lieber Daddy Long Legs

256 Seiten
18,99 € / 12,99 €
Hardcover / eBook

Fast 18 Jahre hat Judy Abbott im Waisenhaus gelebt. Wegen ihrer literarischen Begabung wird sie nun von einem geheimnisvollen Wohltäter aufs College geschickt. Der Mann möchte namenlos bleiben, Judy soll ihm aber jeden Monat einen Brief über ihre Fortschritte schreiben. Voller Begeisterung stürzt sich Judy in dieses unbekannte Leben. Mehr als einmal im Monat schreibt sie „Mr Smith“, denn sie hat ja sonst niemanden auf der Welt, mit dem sie ihre Erlebnisse teilen kann. Briefe voller Witz, über Hüte und Literatur, über neue Freundschaften und immer öfter auch über den sympathischen Jervis Pendleton.

 
Fast ihr ganzes Leben hat die junge Judy Abbott in einem Waisenhaus verbracht. Eines Tages jedoch ermöglicht ihr einer der Treuhänder des Waisenhauses an ein Collage zu gehen. Die einzigen Forderungen die der Mann für all seine Unkosten stellt sind, dass er zum einen anonym bleiben möchte und das Judy ihm jeden Monat einen Brief über ihr Leben am Collage schreibt. Judy fängt an „Daddy Long Legs“, wie sie ihren mysteriösen Gönner mittlerweile nennt, immer öfter Briefe zu schreiben, da sie keine Familie mehr hat und doch jemanden braucht, dem sie von ihren Erlebnissen erzählen kann.

Bereits zu Beginn der Geschichte wurde ich überrascht, als ich erfuhr, dass die Geschichte bereits 1912 geschrieben wurde. Dies hat für mich die Sicht auf die Dinge durchaus verändert. Da der Roman ebenfalls zu dieser Zeit spielt, habe ich manche Situationen natürlich anders bewertet. Gut gefallen hat mir, dass die Übersetzerin den Sprachstil von 1912 dem heutigen Sprachstil größtenteils angepasst hat. Dadurch entstand ein guter Lesefluss. Aufgrund der Tagebucheinträge als gewählter Erzählstil, liest man sich zudem schnell durch das Buch, da die einzelnen Tagebucheinträge oftmals kurz gehalten sind.
Mir war zwar durchaus bewusst, dass das Buch Tagebucheinträge enthält, dennoch hätte ich nicht unbedingt damit gerechnet, dass das komplette Buch ausschließlich auf Tagebucheinträgen basiert. Ich hätte mir gewünscht, dass wir auch außerhalb der Tagebücher mehr über die Charaktere erfahren. So kam es streckenweise vor, dass ich mich durch den Alltag von Judy ein wenig gelangweilt fühlte. Zwar hat Judy eine äußerst angenehme und teilweise lustige Art über Dinge zu berichten, dennoch hätte ich mir ab und an ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Zudem wirkt die Geschichte durch die gewählte Erzählform etwas einseitig.

Judy hat harte Zeiten im Waisenhaus hinter sich und versucht daher immer mit einem Lächeln an neue Dinge heranzugehen. Natürlich durchlebt Judy nicht nur schöne Momente auf dem Collage. So ist es nicht verwunderlich, dass sie neben vielen Hochs auch so einige Tiefs durchlebt. Trotz diesem Hintergrund war mir Judy teilweise zu zickig. Ich konnte nicht immer nachvollziehen, warum sie nun wieder eine ihrer „Phasen“ hat. Daher konnte ich manchmal nur den Kopf über sie schütteln. Denn Judy ist nun mal kein Teenager mehr, sondern entwickelt sich während der Geschichte zu einer jungen Frau weiter.
Interessant fand ich es hierbei, dass die zu Anfang so naive und weltfremde Judy zu einer mutigen und starken Frau heranwächst. Man merkt der Autorin an, wie viel Herzblut sie hierbei auf die Entwicklung ihrer Protagonistin gelegt hat.
Die restlichen Charaktere kommen leider nicht wirklich zum Zug. Zwar erzählt Judy über ihre Freundinnen und Mister Jervis Pendleton, dennoch konnte ich mir bis kurz vor Schluss kein Bild zu Mister Pendleton vorstellen.

Natürlich ist dem Leser sehr schnell klar, wer sich hinter Daddy Long Legs verbirgt. Dies trübt den Lesespaß jedoch in keinster Weise, da der Fokus von Judy nicht darauf liegt auf Teufel komm raus zu erfahren, wer sich hinter dem mysteriösen Mann verbirgt.
Untermalt werden die Tagebucheinträge ab und an von kleinen (und vor allen Dingen lustigen) Zeichnungen von Judy.

Wer die Königskinder Bücher kennt weiß, dass sie immer etwas ganz besonderes sind. So ist auch „Lieber Daddy Long Legs“ keine Ausnahme. Gerade durch die Tagebucheinträge bekommt dieses Buch einen ganz besonderen Touch. Auch der Hintergrund, dass das Buch 1912 geschrieben wurde, ist ein wichtiger Faktor. Dennoch hat dieses Buch nicht so wirklich meinen Geschmack getroffen. Es ist auf keinen Fall schlecht, dennoch war es mir größtenteils zu ruhig und die Tagebucheinträge von Judy konnten mich nur teilweise packen.
Sehr gute 3 von 5 Hörnchen.


Reihe
Hierbei handelt es sich um einen Einzelband.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.  
 

Kommentare :

  1. Hallo Sandra,

    ich kann sehr gut verstehen, dass dir die Geschichte größtenteils zu ruhig war. So ging es mir manchmal ja auch. Und stimmt, die restlichen Charaktere kommen wirklich nicht so sehr vor, die meisten bleiben doch sehr blass und man erfährt kaum etwas über sie.

    Ich hoffe Der Gesang der Nachtigall kann dich mehr überzeugen :)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Huhu Tanja,

      das mit den Charakteren fand ich echt schade, daher hätte ich mir einen Mix aus Tagebucheinträgen und "normalem" Schreibstil gewünscht.
      Das hoffe ich auch und wie fandest du die Nachtigall?

      Liebe Grüße
      Sandra

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    2. Mich konnte auch die Nachtigall nicht 100% überzeugen. Leider :( Aber es gibt auf jeden Fall mehr Spannung ;)

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    3. Ich lese gerade die Nachtigall und bisher finde ich das Buch echt super. Bin gespannt was du daran nicht mochtest.:-)

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    4. *hust* Lest "Ein weiter Weg", das Buch ist sooooo toll, weil da Gefahr, Spannung und Gefühl zusammen kommen! Dan Gemeinhart schreibt so super!

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    5. Dank deines Royal Book Rumble steht das Buch jetzt auch ganz weit bei mir auf der Wuli :-)

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    6. Ups, habe "oben" vergessen, aber du hast mich ja auch so verstanden.

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  2. Huhu Sandra-Schatz, <3

    mit dem Buch habe ich geliebäugelt, es dann aber doch gelassen. Jetzt bin ich recht froh darüber, auch wenn der Inhalt an sich echt toll klingt und Unterhaltung verspricht :). Schade, dass es oft so ruhig ist. Das Cover mag ich total <3

    Liebe Grüße,
    Ally

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    1. Hey Allylein, <3

      Laura hat das Buch ja sehr gut gefallen. Ich denke, es war einfach nicht mein Buch und ich könnte mir vorstellen, dass es dir ebenfalls gut gefallen würde.
      Das Cover ist wirklich wunderschön! Ein absoluter Traum und wie nicht anders zu erwarten, ist es auch unter dem Cover super schön!

      Liebe Grüße
      Sandra

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    2. Hey Sandralein, <3

      Lauras Rezi muss ich morgen erst noch lesen :) ich bin gespannt. Und es könnte natürlich wirklich sein, dass mir das Buch besser gefällt als dir. Große Priorität hat es im Moment aber nicht.

      Dass das Buch auch unter dem traumhaften Cover wunderschön ist, glaube ich sofort :D

      Liebe Grüße,
      Ally

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    3. Ich bin gespannt, ob dich Lauras Meinung nicht doch noch vom Gegenteil überzeugen kann. ;-)

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    4. :D Na das hoffe ich doch! Uwe habe ich jas schon überzeugt ;D

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    5. Ich bin echt gespannt was Uwe zu dem Buch sagen wird!

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    6. Musst du ihn mal auf der Messe bearbeiten, dass er sich das Buch bald zulegt ;-)

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    7. :D Ich werde Uwe bearbeiten, dass er sich auch noch für das ein oder andere Köki interessieren wird (Stichwort: Ein weiter Weg... ;) )
      Und Ally, dass sie den Daddy doch unbedingt lesen möchte :D

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  3. Hallo Sandra :-)
    Ich bin gerade zufällig über deinen Blog gestolpert und bleibe direkt als Leserin da, weil er mich echt richtig gut gefällt. Ich liiiiebe dein Hörnchen-Thema :-D
    Die Rezension hast du wirklich ganz bezaubernd geschrieben - allerdings kann ich deine Meinung sehr gut verstehen. ich bin sogar der Typ Leser, der ein Buch nach 10 Seiten weglegen kann, wenn es mich nicht von Anfang an total fesselt...

    Falls du dich auch ein wenig für Kunst und Illustration interessierst, dann würde ich mich ganz sehr freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust.
    Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Abend!

    Liebste Grüße, Chiara <3

    https://mia-louu.blogspot.de/

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    1. Hey Chiara,

      es freut mich sehr, dass du den Weg zu meinem Blog gefunden hast und mein Hörnchen-Thema so ansprechend findest.
      Ui, 10 Seiten ist echt nicht viel, manchmal verändern sich die Bücher ja noch im Laufe der Geschichte. Aber ich kann verstehen, dass du ein Buch schnell zur Seite legst. Manchmal habe ich auch das Bedürfnis.
      Ich schaue gerne gleich mal bei dir vorbei.

      Liebe Grüße
      Sandra

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  4. Hey meine Liebe Sandra,

    ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass ich noch immer keines der Königsbücher gelesen habe. Es ist schlimm, aber man hat einfach immer viel zu viel herumfliegen.

    Die Story an sich klingt klasse, aber ich kann mir durchaus vorstellen dass natürlich alles nicht ganz so spannend abläuft wie in einem anderen Roman. Die Idee ist also recht schön, aber bei der Umsetzung müsste man mal schauen. Die Leseprobe wird mir da schon aufschluss geben, ob es etwas für mich wäre. ;)

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Huhu liebe Ruby,

      bei mir hat es auch mega lange (bis zum letzten Frühjahrsprogramm) gedauert, bis ich mein erstes Königskind gelesen habe. Hast du denn schon welche auf deinem SuB?
      Ich denke auch, dass es das sinnvollste ist, wenn du die Leseprobe austestest. Da bekommst du schnell einen Einblick, ob der Erzählstil etwas für dich ist.

      Liebe Grüße
      Sandra

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  5. Hey Sandra!

    Wir haben uns ja schon über das Buch unterhalten und deine Kritikpunkte kann ich gut verstehen. Ich habe beim Lesen auch zwischendurch immer mal wieder gedacht, dass zur Auflockerung vielleicht Antwortbriefe schön gewesen wären, einfach damit es nicht so monoton und gleichförmig wird beim Lesen. Mich konnte dafür aber Judys Feuer begeistern und ihr Charme und Witz :) Von der Atmosphäre her fühlte ich mich immer auch ein wenig an so eine Mischung aus Hanni und Nanni (wegen dem reinen Mädchencollege), Anne of Green Gables (wegen den Urlauben auf dem Land) und Jane Austen (wegen den Briefen und den Männern und so) erinnert.

    Liebe Grüße
    Laura

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    1. Huhu Laura,

      Antwortbriefe hätten es für mich nicht unbedingt sein müssen, das hätte ein wenig den Charme des Buches genommen. Ich fand es gerade gut, dass Daddy nie geantwortet hat. Aber so ein wenig "normaler" Text hätte bei mir schon Wunder gewirkt. So wie es ja auch zu Anfang des Buches der Fall war.
      Und ich kann deine Mischungszusammenstellung gut nachvollziehen.

      Liebe Grüße
      Sandra

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    2. Hätte "normaler" Text nicht aber die Briefroman-Form zerstört? :)
      Das ist gut, denn du weißt ja, mit Jane Austen kenne ich mich eigentlich nicht so aus *hust* :D

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    3. Für mich nicht. Ich hätte eine Mischung diesem Stil vorgezogen, aber so hat jeder seinen eigenen Geschmack.
      Apropos Jane Austen, was macht Vermählung? :-DDD

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    4. Ich fände es mal interessant, ein Buch zu lesen, was aus Briefen und normalem Text besteht :)
      Ja...also...das sieht wirklich schön aus, auf meinem "Muss ich noch lesen"-Stapel :D :D Ich kann mich einfach nicht aufraffen und jetzt les ich auch zuerst meine Königskinder ;D

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    5. Ich auch :-)
      :-D Na ich bin gespannt wann du dich endlich durchringen kannst Vermählung zu lesen.

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